Unravel: mehr als nur knuffig?

Es war einer der Hype-Titel der letztjährigen E3. Hauptsächlich, zumindest sehe ich das so, basierte dieser Hype allerdings auf dem nervös-schüchternen Entwickler bei der Pressekonferenz, den man einfach nur in den Arm nehmen wollte und dem knuffigen Protagonisten aus rotem Garn. Daher war ich doch eher kritisch gegenüber dem Spiel, denn ich hatte die Befürchtung, dass das Spiel womöglich nicht viel mehr bieten würden als diesen „It’s so fluffy, I’m gonna die!“-Faktor. Es geht natürlich um Unravel.

Angespielt hatte ich das Spiel bereits, als es via EA-Access auf der XBox One zum Test bereitstand. Ich war zwar davon angetan, aber wirklich *klick* gemacht hatte es nicht. Jedenfalls nicht soviel, als dass ich für den Preis von (ehrlicherweise sehr angebrachten) 19,99 EUR hätte zahlen wollen. So nutzte ich die Testzeit, spielte die enthaltenen ersten beiden Level und danach war erst mal Pause.

Als es dann Ende Juni im PSN-Store für 7,99 EUR im Angebot war, musste ich einfach zuschlagen. Zwangsläufig begann ich es also wieder ganz von vorne und verbrachte einige schöne Stunden damit. Optisch verwöhnt es das Auge mit einem bezaubernden Hintergrund und selbstverständlich der knuffigen Süße des kleinen roten Garn-Wesens Yarnie. Die Musik passt in allen Levels hervorragend – fiel mir jetzt aber auch nicht übermäßig auf. Passende Untermalung eben. Man beginnt mit einem Frühlingslevel und macht nach und nach die Jahreszeiten durch. Und von einem beschwingten Frühling und Sommer geht es über in einen tragisch-schwermütigen Herbst und einen eiskalten und schwergängigen Winter.

Unravel_20160721145907Unravel möchte eine Message, ein Gefühl vermitteln. Mich hat es jedenfalls wieder an die Schönheit – aber auch die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit der Natur erinnert; daran, wie wir Menschen mit ihr umgehen. Und eben auch, dass nicht nur die Natur, sondern eben alles – einschließlich jedem Menschen – vergänglich ist. Man spielt nicht nur die Jahreszeiten der Natur, sondern auch den Lebenszyklus der Frau, welche Yarnie gebastelt hat. Das Spiel hat mir wirklich ein paar sehr schön entspannte Abende eingebracht, an denen ich es zum „runterkommen“ kurz vorm ins Bett gehen gespielt habe. Allerdings haben mich manche Rätsel auch ziemlich abgenervt. Liegt aber sicher auch daran, dass ich was Rätsel in Spielen gerne mal auf dem Schlauch stehe. Und so musste ich 2 oder 3 mal doch ein Gameplay auf Youtube zu Rate ziehen- nur um im Endeffekt zu merken, wie dumm ich offenbar bin :D.

Es gibt in den Levels sehr selten „Gegner“ und wenn, dann keine Kämpfe, sondern nur List und Tücke. Kämpfe vermisst man hier auch nicht, ganz im Gegenteil. Diese Ruhe, die das Spiel dadurch enthält ist sinnvoll. Die aggressive Komponente, die von Sport- über Rennspiel und von Jump’n’Run über Egoshooter in nahezu jedem Spiel vorhanden ist, fehlt hier zum Glück gänzlich.

Unravel_20160720224605Die Rätsel sind meist recht einfach, aber, wie bereits erwähnt, gab es mitunter auch etwas sehr knifflige Angelegenheiten zu lösen. Mal sind es klassische Schieberätsel, mal ein Rätsel mit einer Maschine oder schlicht und einfach die Suche nach dem passenden Weg, damit das vorhandene Garn bis zur nächsten Garn-Auflade-Station (ich nenn‘ das jetzt mal so) reicht. Speziell das letzte Level hat mich an einer Stelle allerdings so abgefuckt, dass ich statt der intendierten Melancholie eher leichte Wut verspürt hatte. Leider – denn das hat mir das Spiel zum Schluss doch etwas verleidet.

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Den „Abspann“ möchte ich hier noch erwähnen. Nach jedem Level kann man in einem Fotobuch blättern -was sehr liebevoll gemacht ist. Und in diesem Fotobuch-Stil sind dann auch die Credits gehalten. Ebenfalls angereichert mit Fotos aus der Entwicklungszeit. Die Namen und Positionen laufen also nicht durch, sondern man blättert sie eigenständig weiter. Und eben das hat dazu geführt, dass ich mir die Credits (zumindest den Part von Entwickler Coldwood) tatsächlich aktiv angesehen und durchgelesen habe. Etwas, was ich bisher noch nie in einem Spiel gemacht habe. Einfach, weil ich – auch durch die Präsentation auf der E3 2015 – das Gefühl hatte, dass Coldwood da wirklich Herz und Seele in dieses Produkt gesteckt hat.

FAZIT:
Unravel sieht wunderschön aus und hat tatsächlich mehr als seinen fluffy-fluffy-Look zu bieten. Die Rätsel sind nicht übermäßig schwer, aber an der ein oder anderen Stelle sind professionelle Schlauchsteher wie ich dann doch an der mentalen Grenze ^^. Ich kann das Spiel wirklich jedem empfehlen – gerade, wenn man etwas für gemütliches Feierabend-Zocken ohne Hektik, Aggression und Kampfstress sucht.

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Vasco Da Gamer

1983 geboren, am Amiga 500 in der Videospieltwelt domestiziert.
Ist keinem Genre wirklich ab-, aber auch keinem speziell zugeneigt.
Spielt neben Videospielen hin wieder auch E-Bass.
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