Ein besonderer Freund wird 18

Es war Weihnachten 1997. Und ich hatte eine Vorfreude wie selten. Klar hatte ich schon vorher auf Weihnachten mal Vorfreude. Damals, als ich wusste, dass ich meine eigene Stereo-Anlage bekommen würde, oder den ersten eigenen Fernseher. Aber bei dir war die Vorfreude besonders. Du warst meine erste Konsole (und bis zur Xbox 360 auch meine einzige). Und deswegen widme ich dir diesen Artikel, dir, meinem Nintendo 64.

Wie bereits geschrieben, Weihnachten 1997 tratst du in mein Leben. Du warst in einem kleinen Laden im Angebot, der sich im ein paar Kilometer entfernten Supermarkt befand und der Zeitschriften, CDs, Spiele und allerlei Geschenke-Krims-Krams verkaufte. Und du kamst nicht allein, du kamst mitsamt Mario Kart 64. Und du hast mich, der ich eigentlich nur die Grafik des damals schon 10 Jahre alten Amiga 500 kannte, mit deinen grafischen Fähigkeiten weggeflasht. Und mit deinem erstmal schwer seltsamen, später aber verdammt guten und heute wiederum schwer seltsamen Controller warst du so herrlich einfacher zu steuern als mein Amiga mit Tastatur und Maus oder Joystick. Noch am Heiligen Abend hab ich natürlich gefühlt unendliche Runden allein sowie gegen meinen Papa und meinen Patenonkel gefahren. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich gegen die beiden geschlagen habe, aber ich vermute einfach mal gut.

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Damals konnte ich dich an meinem TV-Gerät noch nicht wie heute easy per HDMI oder vor 10 Jahren easy per Scart anschließen. Nope, ich brauchte extra einen Adapter, mit dem man dich an den Antennenanschluss anschließen konnte und durch den du dann auf einem „gewöhnlichen“ TV-Kanal zu finden warst. Scart, HDMI oder RGB-Anschluss waren an meinem Uralt-TV schließlich noch Fremdwörter. Aber man brauchte keinen 30, 35, 40 oder gar 50″-Fernseher damals. Nein, ich saß vor einem kleinen Fernseher, lass den mal 13″ oder 14″ gehabt haben. Und auf genau so einem kleinen TV haben wir teilweise mit 4-Spieler-Splittscreen Spiele wie Mario Kart 64, 007 Golden Eye oder Extreme G gezockt. Und wir haben Dinge erkannt. Selbst aus 2 Metern Entfernung. Unsere Augen müssen offenbar gut gewesen sein.

Und wo wir gerade von 4-Spieler-Splitscreen sprechen: Das war neu. Genauso neu wie der Analog-Stick und das Rumble Pak. Alles Dinge, die später Standard waren und bis heute sind. Mal abgesehen vom 4-Spieler-Splitscreen, denn Couch-CoOp ist ja generell eher auf dem absteigenden Ast. Nintendo hat also mit dir etwas gepackt, was sie später so nicht mehr geschafft haben. Nämlich etwas zu erfinden oder zumindest zu etablieren, was von anderen adaptiert wird und sich zum absoluten Standard entwickelt.

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Kommen wir aber mal zu Spielen: wie eingangs erwähnt bekam ich dich im Bundle mit Mario Kart 64. Für den Einstieg eigentlich das perfekte Spiel. Man kann es allein spielen oder mit mehreren. Und es war ein Riesenspaß mit meinen Kumpels zusammen Rennen zu fahren oder uns im Battlemode die Ballons wegzurammen oder zu -schießen. Unzählige Male habe ich alle 4 Cups auf 50ccm, 100ccm, 150ccm und Spiegelverkehrt komplett durchgezogen. Und unzählige Male habe ich auch geflucht, weil ich knapp auf dem 5. Platz gelandet bin und das Rennen wiederholen durfte. Immerhin durfte man aber das Rennen wiederholen. Wenn man heute in MK8 eine Strecke verkackt, darf man ja leider ganz von vorne beginnen.

Dann gab es da mein zweites Spiel für dich, Super Mario 64. Bis heute „mein“ Mario. Zum einen, weil ich die 2D-Teile erst später gespielt habe (und das auch nur sehr rudimentär), zum anderen, weil ich auch die nachfolgenden Mario-Spiele bisher (mit Ausnahme von Super Mario 3D Wörld und Super Mario Maker) gar nicht gespielt habe. Also auch kein Galaxy oder Sunshine. Obwohl diese vielleicht eher in die Kategorie „mein Mario“ fallen. Also richtiges 3D, nicht so ein 2 1/2 D wie in 3 D Wörld. 120 Sterne hab ich zwar nie geholt (ich glaube mein Höchststand war knapp über 100), dafür hab ich aber zig male die 70 Sterne gemacht und die Prinzessin gerettet. Was ja wohl die Hauptsache ist – alles andere ist doch lediglich Schminke für’s Ego.

Irgendwann gab’s da Infos über Goldeneye 007 in einer N64-Zeitschrift, die ich damals regelmäßig las. Und durch Goldeneye 007 hörte ich auch zum ersten mal die Begriffe „Indizierung“ und „BPjS“ (heute BPjM). Ich konnte es noch vor der Indizierung bei einem Import-Händler bestellen und las schon in der darauffolgenden Ausgabe jener Zeitschrift, dass es jetzt indiziert wurde. Und ich habe mich womöglich schon ziemlich gefreut, dieses Spiel zu besitzen. Und ich freue mich bis heute, denn es war eines der tollsten Spiele die es für dich gab. Unzählige Male habe ich das Game durchgespielt. Okay, nur auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe „Agent“, aber ich war eben schon immer ein Gamer, dem es mehr um Spaß als um großartige Herausforderung geht. Und Goldeneye hat zudem eine jahrelange riesige Liebe für James Bond bzw. generell für Agenten-Filme ausgelöst. Kurz nach dem Spiel hatte ich mir die VHS vom Film gekauft und verfiel dieser Leidenschaft. Allzu heiß lodert die Flamme dieser Leidenschaft heute zwar nicht mehr, aber Bond-Filme sind immer noch etwas, was ich einfach immer wieder schauen kann – alte wie neue.

Und wo wir bei Agenten sind: Mission: Impossible gab es ja auch. Das Spiel zum Film, zumindest teilweise und sehr lose daran orientiert. Während Bond in Goldeneye 007 allerdings tatsächlich wie Pierce Brosnan aussah, durfte Ethan Hunt in Mission: Impossible aus Rechtsgründen leider nicht wie Tom Cruise aussehen. Das 3rd-Person-Spiel spielte sich zwar etwas ungenau an manchen Stellen, aber es fesselte durch Atmosphäre und Soundtrack. Noch heute habe ich die Musik in den Ohren die läuft, wenn man über das Dach des CIA-Gebäude zum berühmten Computer-Schacht kommen muss. Und selbstverständlich seilt man sich filmecht im Computerraum ab, das durfte da natürlich nicht fehlen.

Selbstverständlich gab es auch Reinfälle. So war da zum Beispiel das Rennspiel mit dem dollen Namen Automobili Lamborghini. Das Spiel war gar nicht mal so gut. Gekauft hab ich es mir ausschließlich wegen des Namens. Mit 15 träumt man ja gerne mal von Lamborghini und Ferrari. Dennoch hatte ich mit meinen Kumpels tatsächlich die ein oder andere Stunden Freude am Spiel. Irgendwie konnten damals selbst schlechte Spiele im Couch-CoOp noch was gutes haben.

Wenn es ein Spiel gibt, das man für dich haben muss, so ist das für viele sicher The Legend of Zelda – Ocarina of Time. So auch für mich. Wie so ziemlich jedes bisher von mir gespielten Zelda (sind nicht so viele) habe ich auch OoT nicht durchgespielt. Irgendwo im zweiten Part des Spiels hat mich mein Skill komplett hängen lassen. Ich glaube den Wasserpalast hab ich mit Hilfe eines Kumpels noch geschaft, danach war Sense. Aber ebenfalls wie in jedem bisher von mir gespielten Zelda empfinde ich das Spiel bis an den Punkt, bis zu dem ich kam als grandios. Und bei OoT durfte ich wenigstens einem Kumpel beiwohnen, als er es durchspielte.

Ein Bär und ein Vogel. Ein Maulwurf. Die Schwester des Bären. Und eine endhässliche Hexe. Klar, Banjo Kazooie. Bis heute ein tolles Jump’n’Run, das ich vor kurzem noch innerhalb der Rare Replay Collection auf der Xbox One durchgespielt habe. Okay, bis auf den Endkampf auf dem Turm, da hatte und hab ich einfach keine Lust drauf. Und auch wenn die Fähigkeit mich an etwas durchzubeißen heute deutlich höher ist als in Kindheitstagen, allzu stark ist die Lust dazu nicht bei mir ausgeprägt. Dennoch ist es ein tolles Spiel, mit schönen Rätseln, es lässt sich nahezu perfekt steuern, die Welten sind wunderschön abwechslungsreich und der Humor kommt auch nicht zu kurz.

ZIemlich kindgerecht kam Yoshi’s Story her. Es war auch verhältnismäßig kurz und verhältnismäßig leicht. Wollte man allerdings jedes der verfügbaren Level mal sehen, musste man es zum einen mehrmals durchspielen und zum anderen war es dann gar nicht mal mehr so leicht. Und ich glaube, das habe ich auch nie geschafft. Irgendeines der 24 Level habe ich mit Sicherheit nie gesehen. Und trotz aller kindischkeit, mit der Yoshi’s Story daherkam, es war schön designed und hat Spaß gemacht.

Zugepfeffert mit viel zu viel von allem war meiner Meinung nach Donkey Kong 64. Nicht nur, dass man 5 Charaktere aus der Donkey-Kong-Familie spielen konnte und diese natürlich auch rätselmäßig ins Gameplay eingebaut waren, nein, auch die Welt war unübersichtlich und man wurde einfach zugeworfen mit zu viel Infos und Input. In dem Sinn krankte das Spiel für mich an genau denselben Dingen wie der Banjo Kazooie Nachfolger, Banjo Tooie. Auch dieser hat mich als Spieler einfach mit zu viel Möglichkeiten, Infos und Input überfordert und mir damit den Spaß genommen.

Ach Mensch, und dann waren da noch 1080° Snowboarding, F1 World Grand Prix, Extreme G und World Cup 98. Alles tolle Spiele in die ich so viele endlose Stunden – allein oder mit Kumpels – versenkt habe. Und dann waren da noch einige andere Spiele,  in die ich gar nicht mal so viele Stunden reingesteckt habe. Teilweise, weil ich sie mir erst später gekauft habe, als das du schon hemmungslos veraltet und ich „besseres“ gewohnt war.

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Nun, mein lieber treuer Freund, bleibt mir nur ein paar Dinge zu sagen:

  • Danke für die Zeit, die du mir überbrücken geholfen hast.
  • Danke für die Zerstreuung, die du mir in traurigen Zeiten beschert hast.
  • Danke für den Spaß und die Freude, die ich alleine oder mit Kumpels an dir haben durfte.
  • Entschuldigung, dass ich wegen mancher Spiele manchmal lieber ne Playstation gehabt hätte. Heute weiß ich es besser und bin froh, dich gehabt zu haben.
  • Entschuldigung, für diese fürchterlichen Konsolen-Tattoos. Auch wenn sie Legend of Zelda zeigen, pottenhässlich sind sie im Nachhinein  leider doch. Aber hey: BLAME THE N-ZONE!!!
  • Entschuldigung, dass du seit Jahren bei mir im Wohnzimmerschrank lebst – aber dort staubst du nicht zu und eins sei dir gewiss: eigentlich wohnst du in meinem Herzen!

Dein Vasco <3

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Vasco Da Gamer

1983 geboren, am Amiga 500 in der Videospieltwelt domestiziert.
Ist keinem Genre wirklich ab-, aber auch keinem speziell zugeneigt.
Spielt neben Videospielen hin wieder auch E-Bass.
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