Von Demos und Betas…

In meinen spielerischen Anfangsjahren gab’s zu fast jedem Spiel eine Demo. Man konnte, jedenfalls wenn man eines der einschlägigen Games-Magazine erwarb, Spiele vor dem Kauf der Vollversion testen. Auch als das Internet langsam im Alltag Einzug hielt, gab es noch Demos zuhauf als Download. Aus irgendwelchen Gründen hat sich die Präsenz von Demos in den vergangen rund 10 Jahren drastisch reduziert. Ebenso waren Beta-Phasen früher etwas Exklusives, etwas, was die Entwickler meist intern und ohne große Öffentlichkeit regelten. In den letzten gut 5 Jahren ist sowohl die Zahl der Closed Betas, zu denen man sich als 08/15-Spieler bewerben kann, als auch die Zahl der Open Betas für jedermann um ein vielfaches gestiegen. Ich frage mich: Warum eigentlich?

Folgender Tweet von Shorti hat mich dazu gebracht, etwas genauer darüber nachzudenken und meine Meinung dazu mal niederzuschreiben:

Ich gehe einfach mal spontan davon aus, dass der Tweet sich auf die Beta von Star Wars Battlefront bezieht. Denn dieses, als „Open Beta“ deklarierte Stück Software (klingt jetzt negativer als es gemeint ist) ist bei näherer Betrachtung tatsächlich eher eine Demo. Man bekommt zwar ab und an nach dem Spielen einen klitzekleinen, optionalen Fragebogen vorgesetzt, aber ansonsten ist da nicht viel Beta dran. Man kann einen Modus im Kampagnen- bzw. Coop-Modus sowie zwei Modi im Multiplayer-Modus spielen. Jeweils auf einer Map. Waffen und Spezialwaffen sind nur wenige enthalten, und an Charaktermodellen gibt jeweils eins auf Seiten der Rebellen bzw. des Imperiums. Im Prinzip also, wenn man eben vom sehr rudimentären Fragebogen absieht, so als wäre es eine Demo. Auch gibt es in der Beta keine explizite Bitte à la „Please give us feedback at [twitter/facebook/snapchat/wtf]“, lediglich auf der Website findet der geneigte Sucher ein Forum,  in dem er konkreteres Feedback geben kann.

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Abgesehen davon ist das Zeitfenster zwischen der Beta und dem Release-Datum recht kurz, um wirklich noch großartig Änderungen veranlassen zu können. Warum nennt man das Ding also „Open Beta“ und nicht „Demo“? Meiner Meinung nach: Marketing. „Beta-Phase“ klingt immer noch so nach „geheim, vorab“. „Ich kann die Beta spielen“ hat – auch wenn es in der Open Beta eben jeder kann – immer noch den psychologischen Effekt von einem auserwählt sein, ein Spiel vor anderen zu sehen. Auch, wenn es nun mal nicht so ist. Sind wir mal ehrlich: wer hat denn vor 5 Jahren als normaler Gamer ’ne Beta zocken können? Und wer zockt heute Betas? Ich hatte einen Beta-Zugang zu The CrewRainbow Six: Siege und Battlefield Hardline, habe einen zum DLC-Beta (ja, eine Beta zu einem DLC?!?) von The Crew, zu Fable Legends, einen garantierten Zugang zur Beta von The Division und für den Netzwerk-Stresstest von Dark Souls 3 hab ich mich zumindest schon mal registriert. Also entweder hat sich meine Wahrnehmung verändert, oder die früher mal ausschließlich zu Testzwecken erdachte Beta-Phase verwandelt sich peu à peu zu einem Marketing-Instrument.

Jetzt könnte man natürlich fragen: warum kritisierst du das einerseits, andererseits nimmst du aber so gut wie jede Gelegenheit für diese Beta-Phasen selbst wahr? Der Grund ist ganz ehrlich Neugier. Ich kann etwas vor Release und somit vor einem etwaigen Kauf ausprobieren (durfte ich früher mit Demos). Ob das Ding jetzt „Closed Beta“, „Open Beta“, „Netzwerk-Stresstest“, „Global Testfire“, „Demo“, „Game Time“ „Testversion“ oder „Hagebutten-Version“ heißt, ist mir eigentlich egal. Gleichzeitig finde ich es aber fragwürdig, dass ganz objektiv gesehene Demos von heute, aus meiner Meinung nach psychologischen oder marketing-strategischen Gründen, als Beta deklariert werden. Kann man machen, aber eigentlich ist es dem Spieler etwas vorgaukeln, was es nicht ist. Ich ertappe mich ja selbst dabei, dass ich denke „Oh, Publisher XY gibt mir die Möglichkeit, mich für ne Beta zu registrieren – das ist ja mal cool von denen“ bis mir dann wieder einfällt „Du Depp, früher hätten sie ne Demo rausgehauen und du hättest dich nicht so dankbar gefühlt…“. Ich hätte die Beta von Star Wars Battlefront auch gespielt, wenn sie als Demo von Star Wars Battlefront erschienen wäre, denn schlussendlich war sie nichts anderes. Und sie hat in meinem Fall ihren Zweck erfüllt: ich habe ein Spiel ausprobiert, dass ich nicht auf meiner persönlichen Liste hatte und konnte mir eine Meinung dazu bilden. Und womöglich werde ich mir das Spiel sogar kaufen – was ohne Testmöglichkeit eher nicht passiert wäre.

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Abschließend einfach als, wenn auch sicher leiser und schnell verhallender, Wunsch für die Zukunft: Liebe Publisher bzw. Entwickler, gebt uns doch generell wieder mehr Möglichkeiten, Spiele vor dem Kauf zu probieren und benennt Dinge einfach als das, was sie sind!

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Vasco Da Gamer
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Vasco Da Gamer

1983 geboren, am Amiga 500 in der Videospieltwelt domestiziert.
Ist keinem Genre wirklich ab-, aber auch keinem speziell zugeneigt.
Spielt neben Videospielen hin wieder auch E-Bass.
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