Frustrations-Konfrontations-Therapie – Ein Selbstversuch mit Bloodborne

Meine Frustrationsschwelle ist nicht die Höchste. Dies vorwegsagend werden sich Leute, die Bloodborne kennen, sicher fragen: Und warum tust gerade du dir das Spiel dann an?

Ich hab mir die Entscheidung, mir Bloodborne zuzulegen und mich daran zu versuchen wirklich nicht leicht gemacht. Habe mehrmals gehadert und überlegt. Schlussendlich habe ich dann bei einer „3 für 2“-Aktion des roten Elektromarktriesen zugegriffen. Ich wollte mich einfach daran versuchen. Man wächst ja mit der Herausforderung und auch Phobien werden ja durchaus mit Konfrontation behandelt. Klarer Hintergedanke also: Womöglich baue ich mir damit ja ne höhere Frustresistenz auf.

Mit den Quasi-Vorgängern, Demon’s Souls sowie den beiden DarkSouls-Teilen, hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur einen geringen Kontakt. Der erste Teil war im Juni 2014 bei „Games with Gold“ auf der Xbox 360 kostenlos und da hab ich mich mal dran versucht, scheiterte aber natürlich kläglich. Auch das Mittelalter-Setting der Souls-Reihe konnte mich absolut nicht fangen. Das gab’s und gibt’s einfach zu oft. Noch dazu finde ich Dark Souls, vor allem aber den zweiten Teil, für das Alter grafisch schlecht gealtert.

Da kommt Bloodborne eben schon in nem anderen Gewand daher. Die Grafik sieht bombe aus. Immer wieder bleibt man in einem ruhigen Moment auf einem der hohen Dächer stehen und bewundert die Ansicht. Auch, wenn man deutlcih erkennt, dass der Hintergrund in der Ferne eher „Tapete“ ist. Er sieht trotzdem toll aus. Dazu gesellt sich dann das viktorianisch angehauchte Setting, welches eh viel zu wenig bisher in Spielen vorkam. Mit The Order: 1886 und Assassin’s Creed: Syndicate sind aber ja bereits weitere Spiele in ähnlichem stilistischen Gewandt erschienen bzw. angekündigt. Ich hoffe mal, dass man diesen Stil nicht – wie zuvor das Mittelalter – so oft nutzen wird, dass er sich extrem abnutzt.

In diversen Artikeln und Podcasts las bzw. hörte ich, dass einer der großen Unterschiede zwischen Bloodborne und Dark Souls das Kampfsystem sei. Während es in Dark Souls eher defensiv mit einem Fokus auf Blocken daherkommt, ist es in Bloodborne deutlich mehr auf offensives Vorgehen getrimmt. Heißt: Im Zweifel einfach mal mit einem „Yolo“-Gedanken drauf zu rennen, drum herum rollen und drauf los kloppen. Wenn’s dann nicht geht, kann man immer noch defensiver rangehen. Selbst wenn man blocken wollte – man hat eben gar nicht erst einen Schild. Auch von der Spielgeschwindigkeit hebt sich das flotte Bloodborne vom behäbigen Dark Souls ab.

Schwierigkeit kommt in dem Spiel – wie üblich in der Souls-Reihe – unter anderem daher, dass einem praktisch nichts durch eine Story erklärt wird. Man muss sich Tipps und Infos zusammensuchen und manches probieren. Ich habe beispielsweise noch bevor ich den ersten Boss überhaupt gesehen habe, drei Speicherstände begonnen. Nur um zu merken, dass meine Waffenwahl (Sägehackebeil) beim ersten Speicherstand für meinen Spielstil letztendlich doch die richtige war. Und das ist auch irgendwie das interessante: Man erforscht das Spiel. Wie früher einmal durchaus üblicher. Es ist kein Spiel zum einlegen, easy-peasy durchzocken und bumm – fertig, ab zum nächsten. Und sind wir mal ehrlich: wenn mir jemand erzählt, dass er CoD irgendwas, Far Cry 4 oder GTA V durchgespielt hat, dann nötigt mir das nicht gerade Respekt ab. Wenn mir aber jemand erzählt, dass er Demon-, Dark Souls oder Bloodborne durchgespielt hat, löst das schon eine gewisse Achtung bei mir aus.

Auch planloses herumirren durch die Welt ist in Bloodborne durchaus oft der Fall. Minimap? Womöglich noch ne Navi-Linie, die dich führt? Überhaupt ein Anhaltspunkt, wo man als nächstes hin sollte? Alles Fehlanzeige. Irgendwann hat man sich dann ein paar Orientierungspunkte festgemacht und wenigstens ein wenig Überblick. Zudem eröffnet man sich Abkürzungen, die teilweise heftige Gebiete vollständig ersparen. Man erarbeitet sich das Spiel Stück für Stück. Sind am Anfang selbst die kleinen Gegner noch eine große Hürde, so gehen diese irgendwann gut von der Hand. Man merkt recht schnell, wie sich einzelne Gegnertypen verhalten und kann seine Taktik darauf einstellen. Irgendwann hat man dann auch verstanden, dass man bspw. gerade verlorene Energie teilweise zurückgewissen kann, wenn man dem Gegner unmittelbar nach selbst erlittenem Schaden ebenfalls Schaden zufügt. Wie gesagt: Erklärt wird wenig. Aber man lernt durch Selbsterkenntnis unerwartet schnell, wenn auch oft auf die harte Tour.

Und irgendwann kommt dann dieser Augenblick: der erste Kontakt mit der Kleriker-Bestie. Ein Riesenmonster. Furchteinflößend. Der erste Boss-Gegner. Und man wird ihm mit Sicherheit mehrfach begegnen. Nicht, weil es mehrmals vorkommt, sondern weil man garantiert mehrere Versuche brauchen wird, um es zu legen (ich glaube, bei mir waren es gut 5 oder 6 Versuche und dazwischen immer mal „Level-Farming“). Aber dieses Gefühl und diese Endorphin-Ausschüttung, wenn das Kackvieh (sorry) am Boden liegt – unbeschreiblich. So viel Glückshormone hab ich bisher selten in einem Spiel erlebt. Man hat das Gefühl, tatsächlich was erreicht zu haben. Man hat auch tatsächlich das Gefühl, man hätte Skill.

Letzteres verflüchtigt sich allerdings bereits beim Kontakt mit dem zweiten Boss-Gegner rasch. Nach etwas über 10 Versuchen – ebenfalls durch Farm- and Level-Einlagen unterbrochen – lag dann auch der Geistliche Herr irgendwann. Aber es hat Nerven gekostet. Und womöglich meine Schläfen noch etwas mehr ergrauen lassen. Aber: es war es wert. Zum Zeitpunkt diesen Artikels stehe ich vor dem dritten Boss – einem Ding, das durchaus optische Ähnlichkeiten mit Fuchur aus der unendlichen Geschichte hat – nur halt in böse, abartig und gemeingefährlich:

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Fazit:
Nach einigen Stündchen im Spiel und [gerade mal oder immerhin] zwei gelegten Bossen kann ich feststellen: ich bemerke tatsächlich eine gesteigerte Toleranz gegen den Frust. Zum vierten mal zum Gegner rennen und zum fünften Mal scheitern? Fuck it – ich versuch’s auch noch ein sechstes Mal. Natürlich ist irgendwann das Maß voll und ich schalte die Konsole aus. Gerne auch mal mit einem spontanen Rage-Quit und dem Gedanken „Ich verkauf das Kackspiel! Ich kann’s ja eh nicht…“. Aber ein paar Tage später ist dieser Reiz wieder da, dieses sich selbst einfach etwas beweisen oder wenigstens an sich selbst wachsen wollen.

Ob ich Bloodborne je durchspielen werde, weiß ich nicht. Ich wage es sogar eher zu bezweifeln. Dafür fehlt mir womöglich der nötige Skill und obgleich meine Frustschwelle gestiegen ist, sprengt Bloodborne sie in schöner Regelmäßigkeit. Vielleicht werde ich mal einen Update-Artikel zu dem Thema bringen. Vielleicht, wenn ich es durchgespielt habe. Vielleicht, wenn ich es aus Frust verkauft habe. Oder vielleicht auch, wenn ich die DVD vor Wut zerdeppert habe. Wir werden sehen 🙂

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Vasco Da Gamer

1983 geboren, am Amiga 500 in der Videospieltwelt domestiziert.
Ist keinem Genre wirklich ab-, aber auch keinem speziell zugeneigt.
Spielt neben Videospielen hin wieder auch E-Bass.
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